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Nachmittagsbeschaeftigungen

Heute mal eine Schilderung meiner nachmittaeglichen Kurse, die diese Woche ihren Beginn hatten. Montag war ich beim Muyong. Traditioneller koreanischer Tanz. Das war schon mal sehr schoen. Eigentlich wollte ich den Kurs schon canceln, da zur gleichen Zeit eine eigenstaendige Uebungsstunde fuer den Samulnorikurs angesetzt wurde, aber unsere "Kultur"kunde Lehrerin ueberzeugte mich dann doch, zumindest einmal an dem Tanzkurs teilzunehmen....und schon wars passiert: Mitgefangen, mitgehangen.

Denn am 02.10 gibt es schon den ersten Auftritt vor den 70 anderen Mitschuelern. Wie sich jetzt zeigte, werden wir aber auch mit den anderen Kursen etwas auffuehren ^^

In Korea wird gerade alles fuer den groessten und vielleicht sogar wichtigsten Feiertag am 06.10 vorbereitet (wobei das Datum von Jahr zu Jahr wechselt, da hier der Mondkalender auschlaggebend ist. Der Tag nennt sich Chusok = Erntedankfest. Wirklich als ganz ganz grosses Event aufgezogen. Die komplette Familie kommt, meist auf dem Land wo die Grosseltern leben zusammen, ehrt die Ahnen und sitzt beim "grossen Fressen" zusammen. Die Anfahrt hat endlose Stunden und nicht enden wollende km Stau zur Folge. Denn wenn aus der 10 Mio. Stadt Seoul und den nochmal 10Mio Menschen aus dem nahen Umland mehr als 80% die Stadt verlassen wollen, dann sind Verkehrsstoerungen natuerlich vorprogrammiert. Auch saemtliche Fluege, Busse, Zuege sind schon laengst ausgebucht.  Im Fernsehen kann man nun auch taeglich das Ansteigen der Lebensmittelpreise in Prozentzahlen verfolgen. Bsp. Gemuese 18% teurer, Fleisch 15% etc.  Zudem gibts dann durch Brueckentage fast eine Woche Ferien, da am 03.10 noch ein weiterer Feiertag liegt. Korea feiert dann seinen Entstehungs- oder Gruendungstag, den Tag der Himmelsöffnung. Der Tag der Himmelsöffnung beruht auf dem Mythos, dass der Sohn des Schöpfergottes Hwanung die Erlaubnis erhielt zur Erde herabzusteigen und ein irdisches Königreich zu gründen. Natuerlich geht die Geschichte noch weiter, aber wenn ich das jetzt noch schreibe, sprengt es -wie es sich in Hausarbeiten auch immer schoen schreiben laesst - den Rahmen ^^.

Mit dem Muyong Kurs fuehren wir eine recht alte koreanische Tanzform auf. Eine im Kreis gehopste, getanzte, besungene Gruppenchoreographie. Das lustige oder auch schoene dabei ist, dass wir dabei auch die koreanische Tracht tragen werden. Dadrin sieht frau zwar immer hochschwanger aus, aber trotzdem ist die Tracht - Hanbok genannt - sehr schoen! Sieht dann bestimmt auch schon fast professionell aus. Wir haben in unserem Kurs auch 4 Maedels, die koreanischen Tanz studieren moechten und dementsprechend schon sehr gut sind. Vielleicht laesst sich die Auffuerhung ja als Video festhalten. Dann koennt ihr euch ein besseres Bild machen.

Der Konversationskurs von Dienstag und Donnerstag rief maessige Begeisterung aus. Am Dienstag waren wir noch 12. Heute nur noch 6 ^^ Die Lehrerin, jung, eigentlich auch sehr nett und bemueht, kam aber schon wieder mit der bereits nur zu gut bekannten Nummer: "Wie heisst du, wo kommst du her, was machst du beruflich etc." Das geht uns natuerlich langsam auf den Keks. Die naechste Ueberlegung ist nun wieder, eine Stufe hoeher zu wechseln..wobei das wohl nicht so einfach gehen wird...mal sehen..

Mittwoch gab es dann die erste Samulnori (Percussionsstunde). Das war aeusserst genial und die Gruppenzusammensetzung ist wirklich toll. 85% der Teilnehmer haben bereits laengere Spielerfahrung, so dass das Lerntempo sehr schnell ist. Zur Orientierung wurden die Rhthmen silbenartig auf einem Zettel notiert. Da musste ich doch einige Male spinksen, da ich immer wieder den Uebergang zum naechsten Rhythmus vergessen habe. Ausgeschrieben sieht das dann z.B so aus: (ich schreibs mal so auf, wie die Silben ausgesprochener Weise klingen)

Tong, tong, kung ta kung (8x)

tong ta ta kung ta kung (4x)

ta kun kung ta kung (2x) 

tata kung ta ta kung (2x) etc..

Man nehme dazu in die linke Hand einen Schlaeger mit Kloeppel, und in die rechte Hand einen recht flachen, zur Handinnenflaeche hin leicht gewoelbten Stock und spiele, die  vor sich liegende Trommel. Im Schneidersitz, dabei die Trommel mit einem Fuss stuetzend (was mit der Zeit GANZ schoen anstrengend werden kann) abwechselnd mit den beiden Schlaegeln auf die jeweils "richtige" Seite schlagen. Klingt zusammen wirklich toll und bekommt mit der Zeit etwas sehr meditatives. Hinzu kommen spaeter noch 3 andere Instrumente, unter anderem ein Gong, so dass das Ensemble komplett ist. Denn eigentlich ist die Trommel ein "Frauen"instrument ^^                                                         

Unser Lehrer spielt selbst in einer sehr angesehenen Gruppe und war ueberrascht ueber das Leistungsnivea der Gruppe und das Tempo, dass er durchziehen konnte. Er vemittelt das ganze aber auch auf sehr nette, kompetente und sympathische Art und Weise.

Danach gings dann zur Hiphop Klasse, bei der ich die erste Stunde von Montag unwissender Weise verpasst hatte. Auch hier wieder erstmal enormes Staunen...was die da wieder an Tempo und Choreographie vorgelegt haben, ist unglaublich. Aber da die eigentlichen Lehrer gestern nicht kommen konnten, war alleine proben angesagt, so dass ich mir den ersten Teil der Choreo nochmal eben schnell zeigen lassen konnte. Und ich habs auch hingekriegt..und wie ich denke und sah noch nicht mal schlecht ^^ auch wenn es fuer mich schon viele neue Bewegungen sind. ^^

Dann kam natuerlich wieder etwas typisch koreanisches: Auffuehrungen in Gruppen. Immer schoen gucken, was kann der/die andere, wo muss ich mich verbessern, wo kann ich mich zufrieden zuruecklehnen und denken, dass kann ich besser ^^ Das passiert hier staendig. Irgendwann wird man hier auch glaub ich wirklich Schmerz - Angst und Peinlichkeitsfrei wenn das hier von klein auf erlebt wird. Erst also in der 5er Gruppe (da konnte ich die Choreographie noch gar nicht) und zuletzt zu zweit. Mein Ersatzlehrer war gestern Hanol aus Darmstadt. Super witziger und auch sehr sympathischer Kerl, dem man seine 19 Jahre ueberhaupt nicht anmerkt ^^ Sein Vater soll uebrigens mit zu den Begruendern des Hapkido gehoeren. ( Hapkido bedeutet "zusammen" und meint die Harmonie von Körper und Geist. Umgesetzt in koreanischer Kampfform, also Martial Art).  

Jede Kleingruppe wurde natuerlich mit grossem Applaus belohnt  ^^ So geht das hier in vielen Situationen. Auch im Unterricht...aufstehen und sich und sein Koennen praesentieren!deutsches Understatement ist hier nicht so gefragt...rauskehren und betonen was man kann, das ist wirklich wichtig. Dafuer wird man dann auch mit Lob ueberschuettet. Und wenn es vom Gegenueber nicht von selbst kommt, dann fragt man einfach selbst nach, ob denn nicht wahrgenommen wurde, wie toll man war

^-^ ..das hab ich mir aber noch nicht angeeignet ^-*

Und dann erlebe ich natuerlich noch "lustige" Sachen im Fitnessszoo...ehm ich meine -Studio. Aber dazu mehr beim naechsten Beitrag ^-6

Bin mal wieder hundemuede und muss jetzt (23:20h) ganz schnell schlafen gehen. Morgen frueh gehts dann um 7.00h aus dem Haus und wir besichtigen das sogenannte Korean Folk Village und die koreanische Unabhaengigkeitshalle.

Wie immer viele liebe Gruesse aus Seoul und ein herzliches Willkommen an die neuen Mitleser ^-^

21.9.06 16:26
 


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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


M.Pöcher (21.9.06 21:27)
Liebe Frau Biskupski,

vielleicht ist es eine Fügung des Schicksals, dass man den Tag der Dt. Einheit extra auf den Tag der Himmelsöffnung gelegt hat. Das sollten viele Bewohner Deutschlands in ihrer Meinungsfindung berücksichtigen! -
Ich hoffe nur, dass die Preissteigerungen nach den Feiertagen wieder rückgängig gemacht werden.

Im Übrigen: Wie sich die Jugend und ihre Aktivitäten in der Fremde ähneln! Christian ist in Estland auch zum Volkstanz (eigentlich wollte er in einen Chor) gekommen und somit zum "Kulturträger" geworden. Das ist doch eine prima Gelegenheit, Bewegung, Spaß, Kontakte und Sprache miteinander zu verbinden.

Herzliche Grüße aus Köln
M. Pöcher


Jochen (25.9.06 20:34)
Hallo Kerstin.

Jetzt bist Du schon ne ganze Zeit lang weg und es hat mich einige Stunden gekostet, alles zu lesen und die Bilder zu gucken. Doch bevor ich mir auch noch die Videos zu Gemüte führe, wollte ich mich auch kurz verewigen.

Bis hierhin bin ich total fasziniert und interessiert an Deinen neuen Eindrücken. Es ist spannend alles mit Dir mitzuerleben. Auch wenn ich den Sport lieber Dir alleine überlasse... ;-) Dafür bin ich dann beim Essen wieder dabei!!!

Für mich ist es unverständlich, wie man sich in einer Welt, wo die Wörte nur aus Strichen bestehen, zurecht finden kann. Aber es scheint ja zu gehen.

Insofern schreib schön fleißig weiter und verpaß nicht vor lauter Schlaf nette Leute bei ner Bahnfahrt kennen zu lernen. ;-)

Liebe Grüße aus Hessen. Bis demnächst.
Jochen .

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